Mittwoch, 15. Mai 2013

Januar, Februar, März, April...die Jahresuhr steht niemals still

...und ich habe dann natürlich nicht die Woche darauf gepostet. Tut mir ehrlich leid. Zu meiner Verteidigung: ich habe auch nichts in meinem anderen Blog geschrieben.

Eigentlich hatte ich vor, jetzt von meinen Erlebnissen zu berichten, die ich ja in den letzten Monaten hatte: Eltern da gewesen, St. Patricks Day gefeiert, Uni angeschaut, in Dublin Austauschschüler getroffen, in Limerick gewesen,Ostern gefeiert, Präsidenten auf offener Straße gesehen... aber irgendwie will das alles nicht in einem wunderschön flüssigen Text aus meinen Fingern heraus kommen. Deswegen gibt es dafür einen Haufen Bilder und jeder, der sich wirklich sehr für die "dunkle Phase" interessiert, möge doch bitte in 3 Wochen nachfragen, denn da bin ich leider/zum Glück wieder daheim. (Zu meiner verrückten Gefühlslage später noch was.)
Hier erstmal ein Paar Bilder der letzten Monate:
Am Lough Mask fast in Connemara drin ;)

Blick auf einen der Seen in Connemara.


Connemara ist ein MUSS für jeden Irlandbesucher! Wunderschön!!!


Claremorris an St.Patrick´s Day (es hat gegossen wie aus Eimern)

Zwar nur eine kleine Parade aber wir hatten unsern Spaß ;)

Dieses Jahr ist Jahr der Zusammenkunft in Irland, alle sollen kommen :D

Ein Leprechaun! Ich wusste immer, dass es sie wirklich gibt!

...natürlich Alles schön in den irischen Farben

In Galway gibt es einen wundervollen Markt, auf dem man auch einen Haufen Deutsche sehen kann!

Aber von letzter Woche kann ich ganz gut erzählen, dass ist nämlich alles noch "frisch". Wir hatten Praktikumswoche und ich war in der Creché, was in etwa Kindergrippe, Kindergarten und Vorschule in einem ist.
Lustiger Weise war ich nicht mal aufgeregt, als ich hingegangen bin (als ich vor 2 Jahren mein erstes Praktikum gemacht habe, wäre ich fast verrückt geworden, so nervös war ich), aber das Ganze kam mir dann doch banal vor, schließlich bin ich ja auch ohne Freunde und Familie in ein Flugzeug nach Irland gestiegen. Überhaupt machen mich viele kleine Dinge jetzt nicht mehr so verrückt, so z.B. Fremde nach dem Weg fragen, Busse und Züge nehmen (auch ohne vorher genau recherchiert zu haben) oder ans Telefon zu gehen um mit jemandem auf Englisch zu reden.
Aber die Creché hat dann doch noch einige Überraschungen bereit gehalten. Angefangen habe ich bei den "Großen", den 4-jährigen in der Montessori-Vorschule. Die waren natürlich ganz glücklich jemand Neuen dabei zu haben, aber schon nach einer halben Stunde kam die Frage: " Laura, why do ya talk so strange?", denn Kindern entgeht natürlich nichts, aber Ausländer zu sein macht dich dann natürlich nochmal besser. Bei den Großen gab es erstaunlich viel zu lernen: Türmchen bauen, Buchstaben und Zahlen schreiben (einige können auch schon lesen) und ein paar irische Wörtchen. Über die Woche hinweg habe ich mich dann langsam bis zu den ganz Kleinen runtergearbeitet (Babys im Alter von 8 Monaten), aber am meisten Spaß habe ich mit den Woddlern gehabt. Zur Worterklärung: Woddler können zwar schon laufen und etwas sprechen, aber noch nicht so gut wie Toddler. Außerdem müssen sie noch Mittagschlaf machen. Diese spezielle Rasselbande hat einem keine Minute ruhe gelassen, immer war irgenwas.
Ich dachte immer Menschen aus Donegal seien schwer zu verstehen, aber weit gefehlt. Ees sind die Sprachanfänger; die Sprachanfänger mit Nudeln im Mund, die mir leichte Probleme bereitet haben. Aber trotzdem war es sehr schade, die Kleinen und Großen nach einer Woche wieder verlassen zu müssen.

Aber leider mussten wir ja wieder zurück in die Schule, obwohl wir da ja auch unseren Spaß haben. Nur ist ja alles fast schon wieder vorbei!  Und langsam aber sicher fangen die Gedanken an, sich um die Abreise zu drehen. Ich glaube, es ist schwer zu verstehen, wie sich das anfühlt, wenn man nicht eine Zeit lang im Ausland gelebt hat. Man ist glücklich, denn man hat seine Familie und Freunde vermisst. Man ist traurig, weil man Freunde und Familie hier zurück lässt. Man will unbedingt schon alles für daheim planen und am liebsten doch wieder nicht darüber nachdenken. Man stellt sich vor, wie man packt, ich habe noch keinen Plan, wie ich das alles ordentlich verpacken soll, man träumt davon wie man an altbekannte Orte geht, ich habe schon zum dritten Mal davon geträumt wie ich in unser Sekreteriat in der Schule gehe und jedes Mal war niemand da! Gedanken und Gefühle spielen also verrückt! Und immer wieder kommt auch noch Erstaunen durch, ich habe das wirklich gemacht! Ich habe eines meiner Lebensziele tatsächlich verwirklicht! Das wiederum macht dann wieder stolz und doch kommt auch etwas Trauer durch, ich meine jetzt muss ich ja wieder etwas Neues suchen!

Aber das hier soll ja noch nicht das Résumé meines Aufenthalts sein, dafür habe ich ja dann doch nochmal etwas Zeit!

Dienstag, 23. April 2013

SORRY!!!!

Ja, ich fange mit dem Lieblingswort der Iren an, Sorry. Ich weiß, dass ich seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben habe und auch das hier wird jetzt kein richtiger Post. Aber ich möchte ankündigen, dass im Laufe dieser Woche ein neuer Post kommen wird, ganz ordentlich und sogar mit Bildern ;) Ich arbeite also daran.

Bis dahin wünsche ich Allen noch eine schöne Woche! (An die deutschen Leser: Genießt euer schönes Wetter!!!)

Viele Grüße von der Insel

Laura

Samstag, 9. Februar 2013

Religion als Erbe und Pflicht



Heute also mal über ein etwas ernsteres Thema: Religion in Irland. Wie ja allgemein bekannt ist, ist die Mehrheit der irischen Bevölkerung katholisch. 

Die Kirche hat hier bis heute immer noch großen Einfluss im Bildungswesen und in der Politik an sich. Ich würde sogar sagen, dass eine der stärksten Lobbys in Irland die katholische Kirche ist. Aber ist das nun gut oder schlecht? 

Von vornherein muss ich dazu sagen, dass dazu natürlich jeder seine eigene Meinung hat, die ich auch absolut akzeptiere, deswegen möchte ich aber auch gerne meine eigene dazu preisgeben. Ich denke, Religion an sich ist keine schlechte Sache, welchen Namen die Religion auch haben mag. Sie führt Menschen zusammen und gibt ihnen eine gemeinsame Sache, an die es sich  für sie zu glauben lohnt. Aber sollte eine Religion einen Staat beeinflussen?

Die irische katholische Kirche nutzt ihren Einfluss im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und natürlich auch in ethischen Fragen. Im Gesundheitswesen zeigt sich das zum Beispiel daran, dass sie nach immensen Kürzungen im Budget für behinderte Personen Partei für diese ergriffen hat, mit der Folge, dass aufgrund der anhaltenden Proteste auch aus der Bevölkerung nun gewisse Kürzungen zurückgenommen wurden.

Die irische Kirche ist fest im Bildungswesen involviert, da viele Schulen einen kirchlichen Träger haben. Es gibt hier Priester und Nonnen, die auch an der Schule lehren. So ist die Kirche also, wenn auch manchmal für die Schüler nicht bewusst, in das tägliche Schulleben eingebunden.
Wie beeinflusst die irische Kirche in ethischen Fragen? Zum Beispiel spricht sie sich, welch Wunder, vehement gegen das Referendum über Schwangerschaftsabbruch aus und hat politischen Befürwortern angeblich sogar mit der Verweigerung der Kommunion gedroht. Einschüchterung? Aber klar doch!
Irland ist auch eines der Länder, in dem die Ehe von Homosexuellen immer noch nicht erlaubt ist. Ein trauriger Umstand bei dem aber definitiv auch wieder der kirchliche Einfluss eine Rolle spielt.

Ist das nun gut oder schlecht?

Im Beispiel der Kürzungen für Behinderte muss man sagen, dass der Einfluss der Kirche definitiv wichtig und richtig war, um eine Einigung zu erzielen.
 
  











(Quelle: http://bit.ly/123LS74)

Aber beim Rest?


Nun gut, sicher entwickeln sich Freigeister in der Schule auch mit dem Einfluss der Kirche, und man muss fairerweise auch sagen, dass andere Meinungen geduldet und nicht unterdrückt werden, zumindest dort, wo ich zur Schule gehe. Aber trotzdem muss man sagen, dass es zum Beispiel in Irland keine Alternative zum Religionsunterricht gibt, der außerdem noch Pflicht ist.


Wir haben eine kirchlichen Schultrip gemacht, der auch Pflicht war. Kritisches Denken ist erlaubt, ja, aber auch nur, weil es auch mit kiritischem denken keinen wirklichen Ausweg gibt. Man kann das wohl nun sanftes Lenken und Leiten oder weite Fesseln nennen...

Aber beim Thema der Abtreibung mit dem Mittel von „Kirchenstrafen“ gegen politische Befürworter zu drohen ist ein Punkt, bei dem ich sage, dass er eindeutig zu weit  geht. Nun werden wieder andere sagen, "OK, aber dafür ist es die katholische Kirche, ein Leben zu beenden wiederspricht den Regeln der Kirche". Und dann kann man natürlich wieder anfangen, darüber zu diskutieren, wann Leben denn nun wirklich anfängt usw. Aber der Fakt ist, dass in Irland Abtreibung nur erlaubt ist, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Wann das Leben der Mutter aber in Gefahr ist, wird im Gesetz nicht festgelegt. Deswegen will es dann natürlich auch kein Arzt machen. 

Die Mediziner sind sich einig, dass es klarere Regeln für eine Abtreibung geben muss. Dass es nicht sein kann, dass Frauen, deren Kinder nicht überlebensfähig wären, nach Großbritannien zur Abtreibung müssen. 

Und sollte die Kirche nicht zumindest ein Einsehen haben, wenn sich Frauen in Lebensgefahr befinden? Ich denke nicht, dass es zu den so gefürchteten Abtreibungskliniken kommen wird, denn da sind die meisten Iren selbst dagegen. Aber mit ihren Ressentiments übt die Kirche definitiv Einfluss auf Teile der Bevölkerung aus und bringt die medizinische Frage auf die ethische Basis herunter. Man sollte sich aber vor Augen führen, dass es hier nicht so einfach sein würde, Kinder aufgrund des Nichtwollens abzutreiben, es geht hier erst einmal vorrangig um den medizinischen Aspekt. Und die Kirche sollte da die Menschen ihre eigene Meinung ohne ihren Einfluss bilden lassen.

Kirche zu starke Lobby, ja oder nein?

Die Kirche als Lobby ist stark, zu stark? Jein. Man kann ethische Gruppen nie vollkommen aus der Politik raushalten, genauso wenig wie man andere Lobbys heraushalten kann, denn schließlich stellen sie starke soziale Gruppen in der Gesellschaft dar. Allerdings wünscht man sich manchmal, sie würden etwas weniger sagen und die Menschen erst einmal machen lassen. Nun kann man natürlich wieder sagen, "jein" sei keine genaue Antwort, für mich wäre es aber furchtbar, mir vorzustellen, wie ein Irland komplett ohne religiösen Einfluss aussehen würde. Und man muss dem Ganzen zugutehalten, dass so zumindest über viele Themen angeregte Debatten im Gange sind und die wiederum regen die Menschen zum Denken an. Welche Seite man dann am Ende einnimmt, bleibt natürlich jedem selber überlassen.

Eine interessante Frage ist aber nun zum Beispiel, warum die Kirche so fest in die Gesellschaft hier eingebunden ist. Ein Priester hier hat darauf eine interessante Antwort gegeben, die aber definitiv einen Einfluss hat. Die Kirche ist so stark in die Gesellschaft involviert, weil sie über Jahrhunderte verboten war. Noch im 19. Jahrhundert konnten bekennende Katholiken zum Beispiel kein Land besitzen. Messen wurden heimlich im Wald oder im Stall abgehalten.

Die Menschen bekannten sich also im Geheimen dazu, katholisch zu sein. Dadurch waren Generationen streng gläubig geprägt, denn ihre Religion mussten sie sich schwer erkämpfen. Auch heute noch geht eine große Anzahl irischer Familien regelmäßig in die Kirche, auch wenn die Zahlen, wie überall sonst auch, rückläufig sind, aber immer noch in einem größeren Maß als in anderen Ländern.  Die Verbundenheit der Iren zur Kirche ist schwer zu verstehen, selbst, wenn man zu einem gewissen Teil daran beteiligt ist. Man könnte wohl sagen, Religion ist hier Tradition. Wie gesagt, nicht jeder Ire ist streng gläubig, aber ich denke, viele glauben, es sei besser an etwas zu glauben, als an nichts. Und ich persönlich fände es schlimm, wenn die Iren ihr Verhältnis zur Religion verlieren würden, denn sie gehört hier ebenso dazu wie der Regen. 

Viele Menschen sehnen sich nach einer jüngeren, offeneren Kirche. Den Weg kann sie nur mit Hilfe ihrer Gläubigen gehen, obwohl sie das wohl noch nicht so ganz verstanden hat. Ohne Reformationen und Aufklärung ist die Kirche meiner Meinung nach auf dem absteigenden Ast. Die Iren haben dafür gekämpft, offen ihren Glauben ausüben zu dürfen, also haben sie auch ein Recht darauf, dass der Glaube mit ihnen wächst und sich wandelt, und nicht in der Vergangenheit stecken bleibt.

Irland hat mir definitiv eines gelehrt, und das ist Respekt und Akzeptanz, und zwar in einem größeren Maße, als ich ihn früher hatte, auch für die Kirche, ob evangelisch oder katholisch sei mal dahin gestellt. Ich persönlich glaube nicht an das, was in der Kirche gesagt wird, aber ich respektiere, dass es andere tun, nur würde ich mir dafür im Gegenzug eben auch mehr Akzeptanz der Kirche für die Meinungen anderer wünschen.



P.S. Einmal schnell noch kurz Werbung in eigener Sache. Ich bin jetzt Mitglied in einer politischen Bloggergruppe www.aenderungsbereit.de  Wer Lust hat kann da ja auch mal vorbeischauen. Mein erster Post über Russland ist gerade online gegangen.

Donnerstag, 17. Januar 2013

...über Essen, mangelnde Verantwortung und Schule

Heute also einmal über die haute cuisine Irlands.Die irische Küche ist eine etwas gewöhnungsbedürftige Angelegenheit, wenn auch bei weitem nicht so schlimm wie die britische Küche.

(Quelle: http://bit.ly/W9wKmA)
Ein typisches irisches Frühstück (gibt es meistens am Wochenende) besteht aus  Rashers (Speck), Black und White Pudding (Blutwurst und eine Art Leberwurst) und kleinen Würstchen vom Schwein. Das Ganze wird gebraten. Außerdem noch Rührei, Bohnen (kein Scherz) und gebratene Tomaten. Es schmeckt ganz gut, auch wenn ich mich nicht wirklich mit den Bohnen anfreunden kann. Leider muss man dazu sagen, dass die Iren eine gewisse Abneigung gegen Gewürze haben, Salz und Pfeffer mit eingeschlossen, also muss man häufig kräftig nachwürzen und als Thüringer muss ich hier dann auch mal anmerken, dass unsere Bratwürste besser sind und auch Senf fängt mir plötzlich an zu schmecken.

Lunch ist eigentlich nur obligatorisch und etwas Kleines zu essen, da die Iren sehr früh Dinner haben.

Dinner ist häufig zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags, selten später. Die Hauptbeilage ist die Kartoffel, nein, nicht nur ein Klischee. Ob als Kartoffelbrei oder gekocht, gebraten, mit Schale oder ohne oder eben als Pommes, Kartoffeln sind immer dabei. 148 Kilo isst eine Ire im Jahr, dafür aber nur 9 Kilo Reis. Einen Sonderfall bildet dann wieder der Auflauf mit Kartoffeln, aber selbst dazu wird häufig noch Kartoffelbrei gereicht. Irische Familien haben auch häufig einen festen Ablaufplan für die Woche. Am Montag machen wir immer etwas aus den Überresten vom Sonntag, Dienstag Rind oder Schwein, Mittwoch Hühnchen oder Fisch, Donnerstag ist experimentierfreudig, also auch mal Curry, Freitag häufig Hühnchen, Samstag ist Pizza-Tag und Sonntag gibt es Stew oder Rindfleisch.

Da wir so früh Dinner haben, essen wir häufig noch einmal etwas Kleines zwischen 8 und 10 Uhr abends oder haben zumindest einen Tee. Tee ist, wie schon erwähnt, ein Teil der irischen Kultur und wird mit Milch getrunken.

(www.closecooking.com)

Erstaunlicherweise gibt es in Irland keine klaren Suppen, das ist hier einfach unbekannt. Auch Kaffee und Kuchen am Nachmittag ist hier unbüblich. Dafür gelten Chips hier als Beilage und man kann sie mit Weißbrot und Banane essen (kein Scherz!). Jaja, das liebe Brot, ich vermisse es wirklich sehr. Hier gibt es immer nur Weißbrot und manchmal Sodabrot, aber kein Schwarzbrot. Ein netter Snack für zwischendurch sind Scones, mit Marmelade, Butter oder Sahne.
(Quelle: http://bit.ly/V4zQcg)
Fremdländischen Küchen stehen die Iren nur bedingt offen gegenüber. Unsere Backkünste schätzen sie, aber der Rest...naja... sie mochten die Bratwürste, was ja ein guter Anfang ist.

Essen kann man auch günstig in der Schule bekommen und es schmeckt sogar.

Diese Woche ist mir auch etwas sehr Witziges aufgefallen. Die stellvertretende Direktorin an meiner Schule kontrolliert, dass auch ja jeder in seine Klasse geht. Sie kontrolliert die Kleidung der Schüler und dass jeder seinen Ranzen auch in seinem Raum hat und nirgendwo anders (kein Scherz, es gibt Ärger, wenn du ihn aufgrund des Platzmangels woanders lässt). Außerdem rückt sie auch häufig die Stühle in der Kantine zurecht. Es ist alles ein wenig übertrieben. Man kommt auch von alleine in die Klasse und die schwarzen Socken sind auch kein Beinbruch, aber naja. Ich glaube, unsere stellvertretende Direktorin daheim käme überhaupt nicht auf den Gedanken, schließlich sind die Schüler ja auch alt genug, von selbst darauf zu achten oder sie werden angewiesen es zu machen, aber Stühle rücken und Räume kontrollieren? Nein, solchen Unsinn würde sie nicht machen.

Es wird mir immer mehr bewusst, wie wenig Vertrauen die Lehrer in ihre Schüler hier haben. Alles wird dreifach gesagt und dann gibt es noch fünf Verwarnungen. Schule in Deutschland ist definitiv strenger (wirklich, für all die Lehrer, die diesen Blog lesen).

Den Preis, den die Schüler dafür zahlen, ist allerdings, dass sie kaum eine eigene Stimme im Schulgeschehen haben. Diskutieren (sachlich) mit dem Lehrer? Hier unbekannt. Etwas gegen einen schlechten Lehrstil sagen? Unmöglich. Es herrscht immer eine große Distanz zwischen Lehrer und Schüler. Schüler werden immer als Kinder behandelt, nie als die jungen Erwachsenen, die sie ja zumindest zum Teil sind. Das ist eine Sache, die ich sehr schade finde, denn ich denke, dass das keine wirkliche Vorbereitung auf das Leben ist. Das Denken und Handeln wird hier zum Teil abgenommen und so wichtig Respekt und gute Manieren auch sind, das schlichte Nichtvorhandensein einer Schüleropposition ist schade und das, obwohl es einige scharfzüngige Schülerinnen in den oberen Klassen gibt, aber die leben sich dann eben im Debattierclub aus. Das klingt fast schon wie aus einer anderen Zeit.

Aber es gibt dann auch zum Glück immer noch die Lichtblicke, so zum Beispiel den Englischunterricht, wo wir wirklich gut debattieren können, oder der Religionsunterricht, wo auch kontroverse Gedanken akzeptiert werden. Überhaupt muss man sagen, dass wir im Religionsunterricht ganz frei über unsere Meinung zur Religion und anderen Themen reden können. Ein tolles Zeichen von Toleranz, wie ich finde.

Sonntag, 6. Januar 2013

Über Weihnachten, Politik und die Reize einer Großfamilie


So die Feiertage sind vorbei und ein neues Jahr hat begonnen, erschreckenderweise heißt das auch für mich, dass ich in diesem Jahr wieder nach Hause komme; schon eine verrückte Vorstellung!

Winter in Irland
Weihnachten in Irland ist, wie in allen anderen Ländern auch, ein Fest der Familie. Nur, dass es hier doch noch einmal anders ist, da in Irland viele Menschen aufgrund der schlechten Lage im Ausland arbeiten. So hat nahezu jeder Ire zumindest in der weiteren Verwandtschaft einen Heimkehrer aus den USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Südafrika oder, oder, oder... zu vermelden. Und all die Verwandten, die nicht heimkommen, weil sie komplett ausgewandert sind, können sich zumindest auf einen Anruf, ein Päckchen oder eine nette Skype-Konversation freuen, so auch in meiner Gastfamilie.
die ersten gebackenen Plätzchen

Ich habe zwei Gastbrüder, die im Ausland arbeiten, einer in Kanada und einer in den USA. Zu Weihnachten konnte leider nur der aus Kanada nach Hause kommen, aber dafür hat der Älteste in den USA natürlich ein schönes Päckchen bekommen und dann noch einen tollen Skype-Anruf von seiner ganzen Familie. Es ist schon witzig, wenn sich 10 Mann um einen Computer drängen um zu winken und munter durcheinander reden zu können. Und auch der Rest der Verwandtschaft in Neuseeland und Australien wurde natürlich angerufen. 


Die Iren feiern Weihnachten auch nicht am 24., sondern am 25. Dezember. In die Kirche sind wir am Abend des 24. Dezembers gegangen. Es war wunderschön, die Kirche wurde nur vom Kerzenschein erhellt und der Chor hat viel gesungen und die Kirche war so voll, dass diejenigen, welche später kamen (oder besser gesagt nicht eine halbe Stunde eher), nur noch am Eingang stehen bleiben konnten. So einen Anblick kannte ich aus unserer Dorfkirche gar nicht.



Danach durfte jeder ein Geschenk aufmachen, die liegen nämlich schon früher unter dem Baum. Am 25. sind wir dann gegen 8 Uhr aufgestanden und haben angefangen die Geschenke auszupacken, immer eins nach dem anderen und der Rest hat zugesehen, das hat dann schon etwas gedauert. Am 25. haben wir dann auch noch das große Dinner gehabt, mit chinesischen Häppchen und Suppe als Vorspeise, danach Truthahn und Schinken mit vielen verschiedenen Beilagen und zum Dessert konnten wir uns etwas aus vier verschiedenen Kuchenarten und Eis aussuchen. Ich denke mal ich muss nicht hinzufügen, dass wir mehr als voll waren.

Silvester wird in Irland dann wiederum nicht so groß gefeiert. Man geht meistens aus oder sitzt eben gemütlich mit der Familie zusammen, ein eigenes kleines Feuerwerk darf schon aus rechtlichen Gründen nicht gezündet werden, deswegen bin ich auch relativ ruhig ins neue Jahr gekommen, da wir uns entschieden hatten, nicht auszugehen.

Wieder einmal muss ich hier dann doch das wundervolle Gefühl einbringen, irgendwie Teil einer Großfamilie zu sein. Wir haben in den letzten zwei Wochen häufiger Mal irgendwelche Spiele gespielt, die schon aufgrund der Größe der Runde gut und gerne mal bis nach 3 Uhr nachts gespielt wurden. Außerdem ist es einfach nur wahnsinnig interessant, wenn die Größeren nun auch mal ihre Partner/innen nach Hause bringen, die dann auch gleich ganz offen in die Familie aufgenommen werden. Das einzige Manko war, dass nicht mehr allzu viel  Platz im Haus und am Esstisch war. Ich bin immer wieder fasziniert, wie viele Menschen doch in dieses nicht allzu große Haus passen.
Es ist wirklich schade, dass daheim in Deutschland Großfamilien immer etwas negativ behaftet sind. Meine Großfamilie hier hat immer ein regelmäßiges Auskommen gehabt, legt definitiv Wert auf Anstand und gute Noten in der Schule und wird, wenn es so weiter geht wie jetzt, auch noch die letzten zwei ihrer sechs Kinder als tolle Menschen in die Welt entlassen. Warum sollte das in unserem Land nicht auch so laufen können?

Was ich auch immer wieder interessant finde, ist, dass Themen, die ganz groß hier in den Nachrichten kommen, daheim nur kurz angeschnitten werden, so auch zum Beispiel der Union flag-Konflikt in Nordirland, der im Moment immer weiter ausartet. Grund für den Konflikt ist, dass die Stadtverwaltung in Belfast die britische Flagge nicht mehr jeden Tag wehen lassen will, was wiederum die Unionisten auf die Barrikaden gerufen hat. Im Moment gibt es fast täglich Ausschreitungen in Belfast mit Brandanschlägen und in den letzten zwei Tagen sogar Schüssen auf die Polizei. Der Konflikt ist nun schon vor genau einem Monat wieder hochgekommen und irgendwie erinnern die Bilder schon an Zeiten vor dem Good Friday Agreement, das Abkommen, welches 1998 die Kämpfe beendete und Nordirlands Eingliederung in das Vereinigte Königreich anerkannte (die Wiedervereinigung wurde nicht ausgeschlossen, wenn die Mehrheit der nordirischen Bevölkerung dafür stimmen würde).

Ein anderes großes Thema im Moment ist das sehr wahrscheinlich kommende Abtreibungsreferendum. In Irland ist eine Abtreibung illegal und wird nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter ernsthaft auf dem Spiel steht. Wer aus anderen Gründen abtreiben will, muss dafür ins Ausland, sprich meistens nach Großbritannien. Die Diskussion über das Abtreibungsgesetz ist wieder aufgekommen nach dem im Oktober des vergangenen Jahres eine junge Frau an den Folgen einer Missgeburt in der 17. Schwangerschaftswoche gestorben war. Die Ärzte sagten ihr, das Kind sei nicht überlebensfähig, man könne das Kind aber nicht abtreiben, da Irland ein katholisches Land sei und das Herz des Kindes noch schlagen würde. Sie starb an einer Sepsis. Als ihr Tod dann publik gemacht wurde, kam es zu größeren Protesten in Dublin zu Beginn von der Seite, die für eine neue Abtreibungspolitik war, und später dann auch von der Pro Life Gruppe und anderen. Letztendlich  wird es wohl im kommenden Jahr zu einer Abstimmung über eine Änderung der Verfassung kommen, aber wie diese ausgehen wird, ist noch offen.

Es ist schwierig das Problem zu verstehen, wenn man aus einem Land kommt, in dem Abtreibung legal ist. Ich denke ein Teil des Problems ist, dass die Iren befürchten, es würden sogenannte Abtreibungskliniken  aufgemacht werden, wie es sie in Großbritannien gibt, und ich denke vieles hängt auch mit der irischen Kultur zusammen, wo Kinder immer schon ein Segen waren. Es ist im Allgemeinen auffällig, dass man in Irland viele Familien mit drei oder vier Kindern findet und ich habe auch immer das Gefühl, mehr Kleinkinder zu sehen als daheim. Alles in allem ist es interessant, den Prozess der Entscheidungsfindung hier zu verfolgen, und ich denke im Allgemeinen ist es nichts Schlechtes, wenn durch eine breite öffentliche Diskussion, wie sie im Moment hier der Fall ist, zu einer Entscheidung gefunden wird, wie auch immer diese dann zum Schluss aussehen mag.

Last but not least hat Irland ja auch für das nächste halbe Jahr die europäische Ratspräsidentschaft inne. Über die Artikel, die ich in deutschen Zeitungen darüber lese, muss ich schon etwas schmunzeln, und meine Iren hier tun das auch, wenn ich ein bisschen davon übersetze. Von Irland als Musterschüler ist da die Rede und von einer baldigen Erholung und dass es den Iren auch schon viel besser gehen würde. Auf dem Papier mag das ja wahr sein, aber trotzdem hat immer noch eine Arbeitslosenquote von 14,6 % (Stand 3.1.2013) und den Abfall vom Juni 2012 um 0,2% erklären sie auch eher damit, dass viele Menschen ihr Glück mit einer Arbeit im Ausland suchen.

Man vergisst auch immer schnell, dass die Iren einen rigorosen Sparkurs fahren und kürzen wo sie nur können, zuletzt auch in den Pflegedienstleistungen für Behinderte, darüber hört man daheim nur nicht so viel, weil die Iren im Gegensatz zu den Spaniern und Griechen nicht gleich in den Generalstreik getreten sind, sondern wissen, dass es keine andere Lösung gibt, was wiederum nicht heißt, dass sie sich nicht darüber aufregen würden. Sie tun das aber lieber im Kreis ihrer Freunde. Mein Gastvater meint ganz ironisch, das sei das Leid ihrer Vorfahren, das wieder über sie kommen würde.

Wirklich gelacht haben wir darüber, dass die irische Ratspräsidentschaft grün sein solle, also umweltfreundlich.

Der Tagungsort in Dublin sei mit modernen Glühbirnen ausgerichtet und den Abgeordneten würden nur Fahrräder oder Bustransporte zur Verfügung stehen. Irland mag zwar die grüne Insel sein, aber mit Umweltschutz haben sie es hier nicht so groß wie in Deutschland, PET Flaschen sind hier zum Beispiel gänzlich unbekannt und im Ofen wird auch noch einiges mit verbrannt, was eigentlich in die Tonne gehören würde. Wenn man es so betrachtet, müssten wir in Deutschland erst mal ein paar Jahre warten, nicht das unser Vorsprung in Umweltfreundlichkeit noch zu groß wird.


Ich wünsche allen, denen ich es noch nicht gewünscht habe, ein frohes und erfolgreiches Jahr 2013.
Der Artikel nächste Woche wird sich dann unter anderem mit der  irischen „Haute cuisine“ beschäftigen.