Freitag, 26. Oktober 2012

School in Ireland and busy time

So, zuerst muss ich mich mal für die lange Wartezeit entschuldigen. In the irish way "I´m so sorry but I was very busy".


Im Allgemeinen sind die Iren ganz groß im Entschuldigen, du entschuldigst dich hier für alles bei Jedem. Dachte man, die Deutschen entschuldigen sich häufig, so hat man sich getäuscht. Wir sind im Vergleich zu den Iren regelrecht unhöflich. 
Du sagst "sorry" wenn dir jemand im Weg steht, du sagst "sorry" wenn du Fehler in den Hausaufgaben hast, du sagst "sorry", wenn du deinen Stift spitzen gehst und auch sonst ist "sorry" eine gute  Lösung.

So, warum war ich so busy?

Alles begann vor etwa 3 Wochen, als ich mich bereit erklärte für eine Charity-Sache Geld zu sammeln und dabei den Schal vergaß. Riesiger Fehler! Eine Sache die frau wirklich nicht vergessen sollte, wenn sie dem irischen Wetter nur in Schuluniform trotzt. Das Ergebnis war dann natürlich auch wunderbar... Fieber und Husten, den ich dann auch noch gekonnt verschleppt habe, und warum?

Tja die Iren haben eine wundervolle Musical-Tradition. In meiner Schule machen die 5th years jedes Jahr eins und das wird dann in der Stadthalle aufgeführt. Wir haben „Hairspray“ aufgeführt und dafür hatten wir eine Woche lang Proben in der kalten Stadthalle, was zwar wunderbar interessant aber schlecht für meinen Husten war. Tja, und dann haben wir das ganze diese Woche aufgeführt, was ziemlich anstrengend war, dies soll also jetzt als Erläuterung genügen.

Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass ich das irische Schulsystem bis jetzt nicht weiter beleuchtet habe.

Das irische Schulsystem ist europaweit sehr angesehen. Höflichkeit,  gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt stehen auf der Tagesordnung. Es ist in zwei Stufen eingeteilt. Die Schüler beginnen in der Primary School und das in der Regel im Alter von 4 bis 6 Jahren, je nachdem wie reif sie sind. Deswegen hat man auch keine klaren Altersjahrgänge, wie in Deutschland. Die Kinder besuchen dann 8 Jahre lang die Primary School, wo sie im Normalfall von einem Lehrer unterrichtet werden. 

Man muss beim irischen Schulsystem immer noch anmerken, dass Schuluniformen hier normal sind und auch noch verstärkt geschlechtergetrennte Schulen anzutreffen sind, obwohl im Primary Sektor noch viele Kinder auf eine gemischte Schule gehen.

Die Secondary School ist dann wiederum in Junior Cycle (drei Jahre), Transition Year und Senior Cycle (2 Jahre) eingeteilt. In meiner Schule unterscheiden sich die Uniformen des Junior Cycles von denen des Senior Cycles. Die "Kleinen" tragen blaue Schuluniformen und wir tragen grau-braun/rote Uniformen. Dann muss noch dazu angemerkt werden, dass an meiner Schule knielanger Rock getragen wird und zwar ganzjährig.
 Ja, es fängt an kalt zu werden... aber ich sage mir immer es könnte schlimmer kommen. Es gibt in Dublin Schulen, die knöchellange Röcke vorschreiben. DAS sieht dann wirklich aus wie im Kloster.

Am Ende des Junior Cycles steht das erste Examen an, das irlandweit gleich ist. Im Transition Year, welches nicht verpflichtend ist, sollen die Schüler dann Praktika machen und allgemein eher Praxiserfahrungen sammeln. Wie mir von meinen Klassenkameraden versichert wird, ist es eigentlich nur ein Jahr voll mit Spaß und nicht wirklich viel Schule. In den letzten zwei Jahren bereiten sich die Iren dann auf das Leaving Cert vor, eine Prüfung, die mit dem Abitur vergleichbar ist. Auch diese Prüfung ist in ganz Irland einheitlich. Zustände also, wie man sie sich in Deutschland nur wünschen kann.
Ich bin also aktuell im 5th year des Senior Cycles.

Das Schuljahr ist in Irland in drei Trimester eingeteilt. Das Herbstrimester (Autumn Term) beginnt Anfang September und endet kurz vor Weihnachten. Nach den Weihnachtsferien folgt der Spring Term von Anfang Januar bis Ostern (mit einer Woche Winterferien) und dann der abschließende Summer Term von Ostern bis Ende Juni. Zeugnisse gibt es am Ende jedes Trimesters und davor Parent-Teacher meetings. Jeder Lehrer trifft die Eltern um über den Schüler zu berichten, was ich eigentlich ganz gut finde, da so individuell nochmal auf Schwachpunkte verwiesen werden kann. Die Notenskala in Irland geht von A bis F, wobei A die beste Note ist. Außerdem wird noch in Higher oder Ordinary Level unterteilt. Ich belege im Moment überall Higher-Level Kurse.

Mein Tag beginnt um 9.15 Uhr und endet zwischen 15.40 und 15.50 Uhr. Samstag ist schulfrei, allerdings gibt es in der Woche noch ein Evening Study Angebot, wo man unter Aufsicht seine Aufgaben erledigen kann. Eine Unterrichtsstunde ist 35 Minuten lang, also etwas kürzer als in Deutschland, dazwischen liegen fünfminütige Pausen und dann zwei größere Essenspausen. Kantinen sind in irischen Schulen nicht immer anzutreffen aber ich habe das Glück eine zu haben, man bekommt wirklich preisgünstig gutes Essen.
Der Unterricht ist in Pflicht- und Wahlkurse unterteilt. Um das mal auf mich zu beziehen: ich musste Englisch, Mathe, Irisch (wo ich Hausaufgaben machen darf) und eine Fremdsprache (in meinem Fall Deutsch, da an meiner Schule nur noch Französisch angeboten wird und ich daheim ja Russisch lerne) wählen, außerdem habe ich noch Religion, Sport, LCVP und Career Gardiance (beides ist eher berufsvorbereitend). Zu meiner Freude gibt es im irischen Sportunterricht übrigens keine Noten. Abschließend konnte ich noch drei weitere Fächer wählen. Ich habe also noch Business, Musik und Biologie belegt, womit ich auch sehr zufrieden bin. Speziell Business macht mir sehr viel Spaß.

Die Fächer werden jeden Tag unterrichtet und enthalten sehr viel Frontalunterricht, eine Sache, die ich in dieser ausgeprägten Form aus Deutschland noch nicht kannte.

Viele Schulen haben dann aber auch noch Aktivitäten außerhalb des Lehrplanes, wie beispielsweise Sport-AG´s, Chor, Theater und Debattieren. Meine Gastschwester spielt zum Beispiel Basketball und ich habe es zu meiner Freude als erste Ersatzfrau in das Debattierteam geschafft, eine Sache die mich und gleichermaßen die Lehrerin erstaunt hat. Auch die zweite Ersatzfrau ist eine Austauschschülerin aus Deutschland.

Schön finde ich, dass irische Schulen viel Wert auf Betreuung legen. So haben wir zum Beispiel ein Big Sister-Little Sister System an der Schule, was bedeutet, dass sich große Schülerinnen um kleine kümmern und ihnen auch für Fragen zur Seite stehen. Außerdem haben wir auch einen Schulseelsorger (er ist zwar Priester, aber das ist hier normal).
Zu den Lehrern hat man hier ein freundliches Verhältnis, auch wenn es etwas formeller als "daheim" ist. Frauen sind auch hier in der Lehrerschaft in der Überzahl, obwohl ich gehört habe, dass es an der Jungenschule wohl das genau umgedrehte Verhältnis ist.

Ich habe jetzt glücklicherweise erst einmal eine Woche Ferien, in der ich einige Exkursionen vorhabe. Es gibt also nächste Woche einen Bericht mit mehr Bildern.

Sollten noch Fragen zum  irischen Bildungssystem offen geblieben sein, bin ich natürlich gerne zu Auskünften bereit.

Mittwoch, 3. Oktober 2012


Heute habe ich mich einmal damit beschäftigt, warum ich mich in Irland so wohl fühle und deswegen gibt es nun die 40 Gründe warum Irland einfach nur wunderbar ist:

1.Weil es in Irland viele zu entdecken gibt. Nicht jedes wundervolle Gebiet ist von Freizeitvergnügung Suchenden erschlossen, nicht jeder Stein wurde schon dreimal umgedreht.

2. Weil nirgendwo anders ein Sieg oder eine Niederlage im Sport so schön, so emotional ist. Sie finden immer etwas Gutes daran.

3. Weil die Iren meistens sehr nette Leute sind: Sie sind freundlich, offenherzig, redegewandt,  schalkhaft, manchmal unaufrichtig, stur, feier-freudig  unkompliziert und manchmal etwas verkorkst aber immer auf ihre eigene Art liebenswert und interessant.

4. Weil es nirgendwo einen interessanteren Himmel gibt, Wolkenbilder und wie man sie nirgendwo anders findet.


5. Weil das Wetter sehr beachtenswert ist:  Nirgendwo sonst kann auf der einen Seite des Hauses die Sonne scheinen und auf der Anderen Regen fallen.

6. Weil es in Irland einen ausgewogenen Tourismus  gibt, vielleicht auch wegen dem Wetter.




7. Weil es kein Volk gibt, das so schön Geschichten und Anekdoten erzählen kann und ins Alltagsgespräch einbindet.

8. Weil einem Iren das Gefühl geben immer Willkommen zu sein.

9. Weil man in keinem anderen Land so oft Gespräche mit Fremden anfängt und dabei erstaunliche Gesprächspartner findet.

10. Weil die Landschaft  unendlich weit zu sein scheint. Hier im Westen gibt es scheinbar keine Grenzen alles ist weit und hügelig und vermittelt einem ein unglaubliches Gefühl von Freiheit.

11. Weil die Natur hier die Zivilisation zu überleben scheint. Die Berge und Hügel, die Wiesen und Wälder  alles ist zum Teil scheinbar so unberührt das man denkt man sei der erste Mensch seit Jahrhunderten der seinen Weg dorthin findet.


12. Weil die Stille hier noch präsent ist. Manchmal kann man sie sogar hören, die Abwesenheit des Lärms der Zivilisation.

13. Weil die Iren die beste Luft Europas haben, die jederzeit frisch vom Atlantik geliefert wird.

14. Weil der Staat hier manchmal weiter weg ist als anderswo, Einzelpersonen haben mehr Spielraum, mehr Freiheiten aber auch mehr Eigenverantwortung.

15. Weil die Iren manchmal wunderbar unorganisiert sind und das dann auch noch ganz locker sehen.

16. Weil die Uhren in Irland anders ticken, hier kommt man nicht zu spät, der  Andere war einfach nur zu früh und er weiß das auch.

17. Weil in Irland eine Parallelwelt möglich scheint. Das Irland der Gegenwart ist sehr modern mit allen nur zu wünschenden Annehmlichkeiten. Aber auch das alte Irland, das in den Büchern beschworen wurde hat hier seinen Platz, in den Geschichten, den Liedern,  in Gebäuden, in Nischen und in den Erlebnissen und Erinnerungen von Menschen.

18. Weil Abschied und Tod hier noch ein geachteter Teil des Lebens sind und in Ehren gehalten werden.

19. Weil auch heute Großfamilien noch geachtet werden und nicht als asozial oder belastend empfunden 
werden. Hier erlebe ich wie wundervoll eine so große Familie sein kann und wie sie von Liebe und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

20. Weil man auf dem irischen Land das Auto nicht abzuschließen braucht, wenn man es geparkt hat.

21. Weil man ganz plötzlich Freunde in seiner eigenen Küche finden kann, die spontan mal auf einen kurzen Chat vorbeigekommen sind, durch die unverschlossene Hintertür.

22. Weil es einen ganzen Haufen niedlicher und wohlerzogener kleiner Kinder hier gibt.

23. Weil die Iren herrlich unkompliziert sind.  Wenn ein Freund der Familie mit seinem kleinen Sohn vorbeikommt und dann mit dem „Mann des Hauses“ noch was trinken geht kann der Kleine natürlich dableiben und wenn es dann doch mal  länger wird kann er natürlich auch da Schlafen und das ohne, dass große Telefonate oder der Gleichen geführt werden müssen.

24. Weil die Iren eine Nation der Teetrinker sind. Statistisch gesehen haben sie den zweit höchsten Teeverbrauch weltweit nur die Iraker trinken mehr. Eine schnell aufgebrühte Tasse schwarzen Tees hilft gegen alles.

25. Weil das irische Englisch sehr fließend klingt und das in der Schule gelernte „th“ hier nicht wirklich zur Anwendung kommt.

26. Weil die Iren den Linksverkehr haben, was für einen nicht Iren ein wundervolles Verwechslungspiel beinhaltet und den Versuch einschließt auf der „falschen“ Seite des Autos einsteigen zu wollen.

27. Weil die Iren seit 2009 den nicht-staatlichen Arthur´s day haben. Benannt nach? Arthur Guiness natürlich. Am 27. September um exakt 17.59 Uhr sollte jeder Guinesstrinker sein Glas gehn Himmel recken als Gruß. Außerdem gibt es an diesem Tag ein paar ausgezeichnete Konzerte.

28. Weil die Iren von einem großen Haufen berühmter Menschen behaupten, sie hätten irische Vorfahren, natürlich  vollkommen zu recht.  So zum Beispiel auch von Che Guevara,  Muhammad Ali aber auch John F. Kennedy hatte irische Vorfahren und der ehemalige israelische Präsident Chaim Herzog wurde sogar in Irland geboren und  zum amerikanischen Präsidenten Barack Obama können die Iren auch Verbindungen nachweisen.

29. Weil die Iren Gaelic Football haben und als Teilzeit-Ire muss ich fragen was gibt es besseres?

30. Weil die Iren nach dem 2. Weltkrieg die erste Ausstattung der deutschen Fußballnationalmannschaft gesponsert haben.

31. Weil die Iren die schönsten Fangesänge haben, niemand ist mit so viel Herzblut Fan.

32. Weil es in den irischen Küstengewässern Wale und Delphine gibt.

33. weil Irland mit Dublin eine wunderschöne und geschichtsträchtige Hauptstadt hat.

34. weil viele Haushalte mit Torf heizen  und mal ganz ehrlich was gibt es besseres als einen Kamin im Esszimmer? Richtig noch einen im Wohnbereich.

35. Weil viele gute Filme zum Teil in Irland gedreht wurden so zum Beispiel Braveheart  oder Excalibur.

36. Weil Irland einen ganzen Haufen herausragender Schriftsteller hat, wie James Joyce (Ulysses) , Bram Storker (Dracula),  Jonathan Swift ( Gullivers Reisen), Oscar Wilde (Das Bildnis des Dorian Grey), Samuel Beckett(Molloy) aber auch moderne Schriftsteller wie Cecelia Ahern ( P.S. ich liebe dich) und Maeve Binchy ( Jeden Freitagabend) und….und..

37.  Weil die Iren auch gute Musik machen sowohl im Folk als auch im Rock und Pop Bereich. Beweise dafür sind My Bloody Valentine, U2,  Van Morrison, the Boomtown Rats, Sinead O´Connor und Gary Moore.

38. Weil die Iren tatsächlich “Agriculture and Farming“ als Unterrichtsfach belegen können und, weil es in der irischen Schule keine Noten im Sportunterricht gibt.

39. Weil die Iren am 17.März den St. Patrick´s Day begehen und die Welt noch grüner zu sein scheint.

40. Weil man in der irischen Landschaft scheinbar unendlich viele Grüntöne entdecken kann.