Die Weihnachtszeit hier ist zu Beginn erstmal nicht weiß, was mir persönlich ja sehr gut gefällt! Aber der Rest hätte schon gerne ein wenig Schnee...
Die Iren fahren deswegen übrigens auch nicht mit Winterreifen, obwohl es manchmal eben auch etwas glatter auf den Straßen ist, aber dann fahren sie einfach langsamer und grummeln ein wenig vor sich hin. Mich hat das ja am Anfang etwas beunruhigt, aber man gewöhnt sich daran, mit dem Adrenalinkitzel zu leben.
Für alle, die eine Geschäftsidee brauchen: Wie wäre es mit dem Export von Weihnachtskalendern nach Irland? Die gibt es hier nämlich nicht, deswegen freuen sich die Iren auch total, wenn sie einen bekommen. Ich habe zwei für die Deutschklasse an meiner Schule, einen mit Schokolade und einen mit Kurzgeschichten. Der Kurzgeschichtenkalender ist für "Erwachsene", also etwas länger, was sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat, da meine Iren ihn weder lesen noch übersetzen können. Fremdsprachen sind hier eben die Stiefkinder der Bildung. Also habe ich mich in gewisser Weise selbst beschenkt da ich jetzt jeden Tag eine Geschichte vorlesen und übersetzen darf.
Auch den Nikolaus gibt es in Irland nicht, was ja nun wirklich richtig schade ist! Deswegen haben wir auch dieses Jahr Nikolaus mit unserer Gastfamilie gefeiert und ich hab sogar Nikolauszöpfe gebacken. Alle haben sehr viel Spaß daran gehabt und werden es vielleicht wieder feiern. So funktioniert also kultureller Austausch!
Die Kirche hier ist aufgrund der Weihnachtszeit sogar noch voller als sonst und alles ist wunderbar festlich geschmückt. In einem der Flügel wurde die Weihnachtsszene nachgebaut und die Wände sind mit lila Tuch verhangen. Es sieht einfach nur wundervoll aus!
Im Allgemeinen muss ich jetzt doch mal ein Lob für die Kirche in Irland aussprechen (ja, ist kein Scherz), denn zumindestens unsere Priester hier kümmern sich wirklich um die Belange der Menschen und sind da, wenn man sie braucht und auch, wenn ich manchmal von seinem Dauergrinsen genervt bin, so freue ich mich doch irgendwie, wann immer ich unseren Schulpriester Pater Michael sehe, denn er kümmert sich zum Beispiel mit um all die Spendenprogramme, die im Moment laufen, und im Grunde ist es ja auch schön, jemanden zu sehen, der scheinbar den ganzen Tag glücklich durch die Welt läuft. Außerdem ist Kirche in Irland auch anders als in Deutschland aufgrund der irischen Geschichte. Die Iren haben in der Vergangenheit manchmal nicht mehr gehabt als ihren Glauben und Glauben wird eben auch wieder besonders wichtig in Zeiten in denen man nicht soviel hat. Und doch geben sie wiederum viel Geld als Spende an die Kirche. Allein in der letzten Woche hat die Kollekte über 1400 Euro eingebracht, die aber zumindest meinen Informationen zufolge alle an die Bedürftigen Einrichtungen im Umkreis gehen.
Trotz der Rezession sind die Iren das spendenfreudigste Volk, das mir je begegnet ist. Als ich meinen Gastvater fragte, wieso das so ist, antwortete er: "Weil wir wissen, wie es ist, arm zu sein." Das sei auch der Grund dafür, dass es in Irland keine Streiks wegen der Kürzungen gebe. Alle sind wütend und allen tun die Kürzungen weh, aber alle wissen auch das es ohne viel schlimmer sein würde. Lieber stellen sie dann ein kritisches Musical auf die Beine und beißen die Zähne zusammen; es kann ja nur besser werden.
Was für sie im Moment allerdings gar nicht geht sind die Kürzungen im Pflegegeld für Behinderte und die Kürzung des Kindergeldes. In Dublin gibt es deswegen auch schon seit Wochen Proteste.
Die Iren bekommen ihre Geschenke auch erst am 25. Dezember und zum Dinner gibt es Truthahn.
Im europäischem Schnitt geben die Iren am meisten Geld für das Weihnachtsfest und das ganze Drumherum aus, was dann in Lichterkettenexzessen endet, aber naja, man gewöhnt sich an das blaue Leuchten vor dem Fenster, ich spreche da jetzt aus Erfahrung.
Der 8. Dezember ist DER Weihnachtsshopping-Tag für die Iren. Jeder der kann fährt nach Dublin zum Einkaufen. Wir haben uns das natürlich auch nicht entgehen lassen! Es war sehr interessant, wenn auch etwas gruselig auf Grund der riesigen Menschenmassen, aber wir haben uns durchgekämpft. Außerdem gibt es in Dublin auch einen "Weihnachtsmarkt", aber absolut nicht mit den deutschen Weihnachtsmärkten zu vergleichen. Es ist eher wie auf dem türkischen Basar, jeder versucht möglichst lautstark seine Ware zu verkaufen. Deswegen sind sie auch sehr neidisch auf die Märkte, die wir haben. Ich habe am Freitag eine ganze Unterrichtsstunde genutzt um Weihnachtsmarktbilder zu zeigen.
Die letzte Schulwoche in diesem Jahr bricht also morgen an. Wir hoffen, dass die Lehrer es etwas lockerer angehen lassen werden. Außerdem werden wir auch noch die Ergebnisse unserer Hausexamen bekommen, oh Schreck, und dann haben wir am Donnerstag noch eine Schulmesse, wo jeder Jahrgang irgendetwas macht und dann ist diese Woche auch vorbei.
Verrückt wie schnell die Zeit vergeht und wie lange ich schon hier bin! Im Januar ist die Hälfte meines Jahres rum, es fühlt sich eigentlich noch gar nicht so lange an!
Nun ja, hier als Abschluss noch des Iren liebstes Weihnachtslied. Kein Scherz, das ist hier wie bei uns Last Christmas. Viel Spaß beim hören!
P.S. Weil ich es gerade sehe: Auch dieser Blog hat nun die 1000 Marke geknackt! Also vielen Dank an die fleißigen Leser :)







