Montag, 17. Dezember 2012

It´s Christmas Time!

Weihnachten steht vor der Tür, also wünsche ich erstmal jedem Leser ein schönes Fest mit vielen Geschenken, einen tollen Baum und Menschen um sich, die man gerne hat.

Die Weihnachtszeit hier ist zu Beginn erstmal nicht weiß, was mir persönlich ja sehr gut gefällt! Aber der Rest hätte schon gerne ein wenig Schnee...

Die Iren fahren deswegen übrigens auch nicht mit Winterreifen, obwohl es manchmal eben auch etwas glatter auf den Straßen ist, aber dann fahren sie einfach langsamer und grummeln ein wenig vor sich hin. Mich hat das ja am Anfang etwas beunruhigt, aber man gewöhnt sich daran, mit dem Adrenalinkitzel zu leben.

Für alle, die eine Geschäftsidee brauchen: Wie wäre es mit dem Export von Weihnachtskalendern nach Irland? Die gibt es hier nämlich nicht, deswegen freuen sich die Iren auch total, wenn sie einen bekommen. Ich habe zwei für die Deutschklasse an meiner Schule, einen mit Schokolade und einen mit Kurzgeschichten. Der Kurzgeschichtenkalender ist für "Erwachsene", also etwas länger, was sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat, da meine Iren ihn weder lesen noch übersetzen können. Fremdsprachen sind hier eben die Stiefkinder der Bildung. Also habe ich mich in gewisser Weise selbst beschenkt da ich jetzt jeden Tag eine Geschichte vorlesen und übersetzen darf.

Auch den Nikolaus gibt es in Irland nicht, was ja nun wirklich richtig schade ist! Deswegen haben wir auch dieses Jahr Nikolaus mit unserer Gastfamilie gefeiert und ich hab sogar Nikolauszöpfe gebacken. Alle haben sehr viel Spaß daran gehabt und werden es vielleicht wieder feiern. So funktioniert also kultureller Austausch!

Die Kirche hier ist aufgrund der Weihnachtszeit sogar noch voller als sonst und alles ist wunderbar festlich geschmückt. In einem der Flügel wurde die Weihnachtsszene nachgebaut und die Wände sind mit lila Tuch verhangen. Es sieht einfach nur wundervoll aus!

Im Allgemeinen muss ich jetzt doch mal ein Lob für die Kirche in Irland aussprechen (ja, ist kein Scherz), denn zumindestens unsere Priester hier kümmern sich wirklich um die Belange der Menschen und sind da, wenn man sie braucht und auch, wenn ich manchmal von seinem Dauergrinsen genervt bin, so freue ich mich doch irgendwie, wann immer ich unseren Schulpriester Pater Michael sehe, denn er kümmert sich zum Beispiel mit um all die Spendenprogramme, die im Moment laufen, und im Grunde ist es ja auch schön, jemanden zu sehen, der scheinbar den ganzen Tag glücklich durch die Welt läuft. Außerdem ist Kirche in Irland auch anders als in Deutschland aufgrund der irischen Geschichte. Die Iren haben in der Vergangenheit manchmal nicht mehr gehabt als ihren Glauben und Glauben wird eben auch wieder besonders wichtig in Zeiten in denen man nicht soviel hat. Und doch geben sie wiederum viel Geld als Spende an die Kirche. Allein in der letzten Woche hat die Kollekte über 1400 Euro eingebracht, die aber zumindest meinen Informationen zufolge alle an die Bedürftigen Einrichtungen im Umkreis gehen.
Trotz der Rezession sind die Iren das spendenfreudigste Volk, das mir je begegnet ist. Als ich meinen Gastvater fragte, wieso das so ist, antwortete er: "Weil wir wissen, wie es ist, arm zu sein." Das sei auch der Grund dafür, dass es in Irland keine Streiks wegen der Kürzungen gebe. Alle sind wütend und allen tun die Kürzungen weh, aber alle wissen auch das es ohne viel schlimmer sein würde. Lieber stellen sie dann ein kritisches Musical auf die Beine und beißen die Zähne zusammen; es kann ja nur besser werden.
Was für sie im Moment allerdings gar nicht geht sind die Kürzungen im Pflegegeld für Behinderte und die Kürzung des Kindergeldes. In Dublin gibt es deswegen auch schon seit Wochen Proteste.

Die Iren bekommen ihre Geschenke auch erst am 25. Dezember und zum Dinner gibt es Truthahn.
Im europäischem Schnitt geben die Iren am meisten Geld für das Weihnachtsfest und das ganze Drumherum aus, was dann in Lichterkettenexzessen endet, aber naja, man gewöhnt sich an das blaue Leuchten vor dem Fenster, ich spreche da jetzt aus Erfahrung.

Der 8. Dezember ist DER Weihnachtsshopping-Tag für die Iren. Jeder der kann fährt nach Dublin zum Einkaufen. Wir haben uns das natürlich auch nicht entgehen lassen! Es war sehr interessant, wenn auch etwas gruselig auf Grund der riesigen Menschenmassen, aber wir haben uns durchgekämpft. Außerdem gibt es in Dublin auch einen "Weihnachtsmarkt", aber absolut nicht mit den deutschen Weihnachtsmärkten zu vergleichen. Es ist eher wie auf dem türkischen Basar, jeder versucht möglichst lautstark seine Ware zu verkaufen. Deswegen sind sie auch sehr neidisch auf die Märkte, die wir haben. Ich habe am Freitag eine ganze Unterrichtsstunde genutzt um Weihnachtsmarktbilder zu zeigen.

Die letzte Schulwoche in diesem Jahr bricht also morgen an. Wir hoffen, dass die Lehrer es etwas lockerer angehen lassen werden. Außerdem werden wir auch noch die Ergebnisse unserer Hausexamen bekommen, oh Schreck, und dann haben wir am Donnerstag noch eine Schulmesse, wo jeder Jahrgang irgendetwas macht und dann ist diese Woche auch vorbei.
Verrückt wie schnell die Zeit vergeht und wie lange ich schon hier bin! Im Januar ist die Hälfte meines Jahres rum, es fühlt sich eigentlich noch gar nicht so lange an!

Nun ja, hier als Abschluss noch des Iren liebstes Weihnachtslied. Kein Scherz, das ist hier wie bei uns Last Christmas. Viel Spaß beim hören!








P.S. Weil ich es gerade sehe: Auch dieser Blog hat nun die 1000 Marke geknackt! Also vielen Dank an die fleißigen Leser :)









Mittwoch, 28. November 2012

Und am Anfang stand das Wort...

Wenn ich darüber nachdenke, was ich in über 3 Monaten an Worten neu gelernt und wiederholt habe, fällt mir auf, dass es die alltäglichen Worte waren, die ich nicht immer wusste.

Für all Diejenigen die noch zur Schule gehen (und natürlich auch für alle Anderen die sich gerne testen wollen), was war denn nochmal das Wort für:
  • Zahnbürste
  • Decke
  • Spitzer
  • Husten
  • Schnupfen
  • Erkältung
  • Mehl
  • Rosinen
  • Wasserkocher
  • Teekanne
  • Hefe
  • Kartoffelbrei
  • Brötchen
  • Paprika
  • Hochzeitstag
  • Patentante/-onkel
  • Hirsch
  • Handtuch
(Die Lösungen gibt es am Ende des Artikels)

Vielleicht wisst ihr das ja auch alles und in einer ruhigen Minute wäre mir das auch eingefallen, aber in einem Gespräch war es zu Beginn wirklich schwer, auf die einfachsten Worte zu kommen.
Wir lernen in der Schule einen Text zu interpretieren, in Englisch zu erörtern und viele andere manchmal sehr komplexe Sachen, aber ich kann euch sagen: Das hilft alles nichts, wenn ihr in der Apotheke seit und gebeten werdet eure Erkältung zu beschreiben um das richtige Medikament zubekommen.
Jeder Russischschüler kann mir sofort das Wort für Sehenswürdigkeit nennen (достопримечательность), aber bei dem Wort für „ein bisschen schlafen“ (вздремнуть) wissen wir nicht sofort weiter auch beim englischen Äquivalent (to nap) muss man erst mal kurz nachdenken.

Für alle, die darüber nachdenken ins Ausland zu gehen, ob nun zum Studium oder zur Schule, das sollte kein Problem für euch darstellen. Zumindest hatte ich keine Probleme dem Unterricht von Beginn an gut zu folgen.
Aber wer ist denn nochmal „ya“ und wer ist „ye“?
Nun sagen einige wieder: „Das weiß ich doch, das sagen die in Filmen, Rap-Songs und Livekonzerten.“
Versucht mal den Unterschied heraus zuhören, wenn ein Ire schnell auf euch einredet. Na wer denn nun? Ich oder doch wir?

Oder wann sage ich nochmal „please“ und wann „You´re welcome“?
„You´re welcome“ ist „bitte sehr“. Wenn du jemandem etwas gibst und er sagt „Thank you“, dann ist die Antwort „You´re welcome“ (Very welcome, most welcome).
„Please“ wiederum ist nun einfach zu erraten. Wenn du jemanden um etwas bittest, dann kommt „please“ an das Ende. („Can you give me the milk, please?)

Und wann sage ich „pardon“ und wann „Excuse me“?
Nun, die gute Nachricht ist, es gibt keinen wirklichen Unterschied, man variiert einfach. Aber wenn man sich irisch verhalten will, dann sagt man einfach „sorry!!!!“ (I´m so sorry, I´m very sorry) Die Iren sind ganz groß im Entschuldigen für alles und nichts, ganz einfach um des „sorry“s wegen. Wir haben das jetzt in der kleinen Küche verboten, es ist einfach zu nervig…
Die beste Lösung bei totaler Ahnungslosigkeit ist ein nettes Lächeln aufzusetzen und über Irland oder auch Wahlweise über die eigene Lebensgeschichte zu reden. Da springen die meisten Iren darauf an, denn man hört immer gerne Positives über sein eigenes Land und als Ausländer ist man sowieso interessant, wenn es um die Lebensgeschichte geht….und ganz schnell ist das Thema davor vergessen.

Aber im Moment bin ich mit dem Sprechen in Englisch ganz zufrieden, es ist eher die deutsche Sprache, die mir im Moment Probleme bereitet. Das war schon ein bisschen gruselig als es mir bewusst wurde, aber manchmal muss ich jetzt wirklich über die deutschen Wörter nachdenken.
Dafür habe ich keine Probleme mehr mit dem ausgeprägten Farmerakzent meiner Biologielehrerin... zumindest meistens, auch mein sehr schnell sprechender Englischlehrer (wir schätzen, er kommt aus dem Süden Irlands, da ist ein maschinengewehrartiger, schneller Sprachstil normal) ist nun gut verständlich für mich, es ist eben alles eine Frage der Übung.
Das Einzige, das mich wirklich zur Verzweiflung treibt, ist, wenn ich mit Iren telefonieren muss. Das kann dann aufgrund des Genuschels ganz schnell wie Chinesisch für mich klingen. Was mich dann dazu bringt die wenigen Dinge die ich klar verstanden habe in einen ganz neuen Kontext zubringen. So habe ich schon aus einem Spaziergang eine Urlaubsreise gemacht, nur weil ich die Worte „Berge“ und „Sonne“ verstanden habe. Das war schon ein bisschen peinlich und am Telefon hilft auch das Lächeln nicht. Das ist also meine Baustelle, an der ich im Moment arbeite.
Hier nun die Auflösung des kurzen Tests vom Anfang:
  • Zahnbürste (a toothbrush)
  • Decke (a blanket)
  • Spitzer (a sharpener)
  • Husten (a cough)
  • Schnupfen (a runny nose)
  • Erkältung (a cold)
  • Mehl (a flour)
  • Rosinen (the raisins)
  • Wasserkocher (kettle)
  • Teekanne (tea pot or pot)
  • Hefe (yeast)
  • Kartoffelbrei (mashed potatoes)
  • Brötchen (roll)
  • Paprika (pepper)
  • Hochzeitstag (anniversary)
  • Patentante/onkel (godmother/father)
  • Hirsch (deer)
  • Handtuch (towel)
  • „ya“ und „ye“ sind umgangssprachliche Ausdruecke fuer „du“ und „ihr“
Bald beginnt ja auch die Weihnachtszeit und ich kann euch erzählen, wie meine irische Familie zum ersten Mal St. Nikolaustag gefeiert hat, den haben die Iren nämlich nicht, aber darüber mehr in der nächsten Woche!



Samstag, 24. November 2012

ANKUENDIGUNG Die Bibliothek dein Freund und Helfer

Leider bin ich im Moment ohne Internet (ich schreibe aus der Bibliothek), deswegen wird sich die Wartephase auch noch bis Dienstag hinziehen, denn da eine Tastatur in Irland weder das u mit zwei Strichen noch was Anderes in der Richtung hat kann ich schlecht hier schreiben. Aber Dienstag habe ich alles auf dem Stick und die Bibliothek hat wieder offen.Schon furchtbar, so ohne Internet zu sein, aber ich werde meine Zeit mit lesen verschoenern. Den Stoff dazu habe ich mir auch gleich hier besorgt, also ein Hoch auf die Bibliotheken!

Viele Gruesse aus dem kalten Irland (Temperatur um den Gefrierpunkt und es ist ziemlich nass).


P.S. Wer an irischer Musik Interesse hat kann ja heute Abend noch nach Wechmar huschen und "Litha" lauschen, ab 19.00 Uhr im Buergerhaus organisiert wie jedes Jahr von unserer "einheimischen" irischen Band "An Beal Bocht". Sehr zu empfehlen!

Sonntag, 4. November 2012

In Irlands Wildem Westen

Nein, der Titel ist nicht nur gewählt, weil ich in meiner Kindheit zu viele Karl May Bücher gelesen habe,  denn Irlands Westen ist auf Grund seiner rauen Landschaft durchaus als "wild" zu bezeichnen.
Hier kann man eine scheinbar unendliche Variation von Naturschauspielen finden: zerklüftete Felsenformationen, Berge, Seen, Flüsse, scheinbar unendliche grüne Graslandschaften, Moore und eine Küste, die von Freiheit flüstert; all das ist der Westen.
Er besteht aus 5 Counties: Roscommon, Mayo, Leitrim, Donegal und Sligo, die alle aufgrund ihrer individuellen Landschaft und Geschichte einen Besuch wert sind.

Warum ich mich dieses Mal mit der Landschaft beschäftige? Nun, ich hatte in meinen Ferien etwas Zeit zu reisen und mal wieder hat es mich erstaunt, wie schön es hier ist, es tut manchmal fast schon weh.

Schon eine einzelne Autofahrt ist ein kleines Abenteuer, denn auf den kurvigen Straßen ändert sich die Landschaft sehr schnell... wo eben noch grüne Hügel waren sieht man plötzlich Berge aufragen und dann kann da auch schon das Meer sein.


Meine Reisefreude hat mich so auch nach Westport geführt. Eine kleine Stadt in der Clew Bay am Atlantischen Ozean gelegen mit einer malerischen Innenstadt, die durch die vielen georgianischen Häuser einen gewissen rauen Charme hat. 



Außerdem ist Westport eines der beliebtesten Touristenziele im County Mayo. Auch Pilgerreisende kommen häufig hierher um den Berg Croagh Patrick zu besteigen, der sozusagen über der Stadt aufragt.


 


Auch hier begegnete uns natürlich wieder die Freundlichkeit und Redefreude der Iren. In einem Hutgeschäft hatte ich ein angeregtes Gespräch mit dem Besitzer über die deutschen Köpfe. Er hatte dieses Jahr schon zweimal Übergrößen bestellen müssen! Einmal sogar für einen Mann der von sich behauptete er habe den größten Kopf Deutschlands (Hutgröße XXXXL). Erstaunt sah ich auch einen alten VW Bus mit deutschem Kennzeichen an mir vorbeifahren. Und erst recht kam da ein Gefühl von Heimat auf als ich zwei Frauen vor sich hin Schwäbeln hörte.
Auch meine Gastschwester kam auf ihre Kosten: in einem Café, in dem ein südländischer Mann kellnerte (wir konnten seinen Akzent nicht ganz zuordnen), konnten wir französischer Musik lauschen und beim Mittagessen im Pub saßen dann Franzosen hinter uns. Westport also eine internationale Idylle? Wir werden dran bleiben, vielleicht sehe ich dann sogar den alten VW wieder.



Sprachlos waren wir dann erstmal an der Küste, denn die ist aufgrund ihrer Hügel und Steinstrände einfach unbeschreiblich schön.




Außerdem war der Himmel an diesem Tag ein Beweis für die Unbeständigkeit des irischen Wetters und somit konnten wir ein einmaliges Lichtspiel auf dem Wasser sehen. 



Etwas unheimlich wurde es dann, als es schlagartig begann dunkler zu werden und wir zu allem Überfluss noch an einem Wäldchen vorbei mussten in dem Raben lebten!



Auch von der Küste aus kann man Croagh Patrick sehen. Außerdem sind viele kleine Inseln in der Bucht zu finden, die etwas Verwunschenes an sich haben. Westport ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man hier ist, und auch aufgrund der vielseitigen Kunstausstellungen, die dort zu finden sind.





Außerdem waren wir auch in Galway; das erste Mal, dass wir Bekanntschaft mit dem irischen Bussystem gehabt haben. Das Zugsystem ist bequem und einfach zu verstehen, wohl auch deswegen, weil es nicht so stark ausgebaut ist. Das irische Bussystem wurde allerdings am Ende etwas nervenaufreibend, da man wissen sollte wie es funktioniert, vor allem an größeren Stationen. Aber so haben wir schnell für das zukünftige Reisen in Irland gelernt.

Galway ist die größte Stadt im Westen Irlands, die mit einer mittelalterlichen Innenstadt nur so zum shoppen einlädt. Sie wird aufgrund ihrer Geschichte auch "the town of the tribes" genannt.




Die vielen kleinen Läden laden zum herumstöbern ein, besonders wenn es wieder einmal mit Regnen anfängt.


Die "Skyline" von Galway, glücklicherweise frei von Wolkenkratzern.

Hatte man in Westport noch das Gefühl, sich in einem kleinen verschlafenen Städtchen zu befinden, so muss man bei Galway sagen, dass es sich wohl um eine der westlichsten Städte Irlands handelt, die ein gewisses internationales Flair vermittelt und die Anonymität einer größeren Stadt besitzt.

... obwohl der Hafen eher an ein Fischerstädtchen erinnert.


Auch hier konnte man wieder die wundervolle Küste bewundern, obwohl sie bei weitem nicht so wild war wie in Westport.



Auch meine Umgebung daheim ist durchaus interessant und sieht an sonnigen Herbsttagen (ja, die gibt es wirklich) wunderschön aus.


Obwohl es hier bei mir eher Flachland und viel Gras gibt, kann man schon, wenn man ein kleines Stückchen läuft, die ersten Silhouetten der Berge erkennen.

Tolle große Bäume gibt es hier auch und manchmal sieht man dann auch Kuh- und Schafherden darunter weiden.



Und wenn man auf der verlassenen Landstraße den Blick schweifen lässt kann man auch durchaus mal auf Häuseruinen stoßen, die langsam wieder von der Natur zurückerobert werden.

Ich denke die Bilder zeigen eindeutig, wie schön und wild der Westen ist und man findet hier immer wieder Ecken, in denen es so scheint, als sei seit Jahren niemand mehr vorbei gekommen.
Du brauchst ein stilles Plätzchen zum nachdenken, wo dich niemand stört? Du willst einfach nur mal die Gedanken schweifen lassen und die Natur genießen? Irlands Westen ist definitiv der richtige Ort dafür!

Freitag, 26. Oktober 2012

School in Ireland and busy time

So, zuerst muss ich mich mal für die lange Wartezeit entschuldigen. In the irish way "I´m so sorry but I was very busy".


Im Allgemeinen sind die Iren ganz groß im Entschuldigen, du entschuldigst dich hier für alles bei Jedem. Dachte man, die Deutschen entschuldigen sich häufig, so hat man sich getäuscht. Wir sind im Vergleich zu den Iren regelrecht unhöflich. 
Du sagst "sorry" wenn dir jemand im Weg steht, du sagst "sorry" wenn du Fehler in den Hausaufgaben hast, du sagst "sorry", wenn du deinen Stift spitzen gehst und auch sonst ist "sorry" eine gute  Lösung.

So, warum war ich so busy?

Alles begann vor etwa 3 Wochen, als ich mich bereit erklärte für eine Charity-Sache Geld zu sammeln und dabei den Schal vergaß. Riesiger Fehler! Eine Sache die frau wirklich nicht vergessen sollte, wenn sie dem irischen Wetter nur in Schuluniform trotzt. Das Ergebnis war dann natürlich auch wunderbar... Fieber und Husten, den ich dann auch noch gekonnt verschleppt habe, und warum?

Tja die Iren haben eine wundervolle Musical-Tradition. In meiner Schule machen die 5th years jedes Jahr eins und das wird dann in der Stadthalle aufgeführt. Wir haben „Hairspray“ aufgeführt und dafür hatten wir eine Woche lang Proben in der kalten Stadthalle, was zwar wunderbar interessant aber schlecht für meinen Husten war. Tja, und dann haben wir das ganze diese Woche aufgeführt, was ziemlich anstrengend war, dies soll also jetzt als Erläuterung genügen.

Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass ich das irische Schulsystem bis jetzt nicht weiter beleuchtet habe.

Das irische Schulsystem ist europaweit sehr angesehen. Höflichkeit,  gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt stehen auf der Tagesordnung. Es ist in zwei Stufen eingeteilt. Die Schüler beginnen in der Primary School und das in der Regel im Alter von 4 bis 6 Jahren, je nachdem wie reif sie sind. Deswegen hat man auch keine klaren Altersjahrgänge, wie in Deutschland. Die Kinder besuchen dann 8 Jahre lang die Primary School, wo sie im Normalfall von einem Lehrer unterrichtet werden. 

Man muss beim irischen Schulsystem immer noch anmerken, dass Schuluniformen hier normal sind und auch noch verstärkt geschlechtergetrennte Schulen anzutreffen sind, obwohl im Primary Sektor noch viele Kinder auf eine gemischte Schule gehen.

Die Secondary School ist dann wiederum in Junior Cycle (drei Jahre), Transition Year und Senior Cycle (2 Jahre) eingeteilt. In meiner Schule unterscheiden sich die Uniformen des Junior Cycles von denen des Senior Cycles. Die "Kleinen" tragen blaue Schuluniformen und wir tragen grau-braun/rote Uniformen. Dann muss noch dazu angemerkt werden, dass an meiner Schule knielanger Rock getragen wird und zwar ganzjährig.
 Ja, es fängt an kalt zu werden... aber ich sage mir immer es könnte schlimmer kommen. Es gibt in Dublin Schulen, die knöchellange Röcke vorschreiben. DAS sieht dann wirklich aus wie im Kloster.

Am Ende des Junior Cycles steht das erste Examen an, das irlandweit gleich ist. Im Transition Year, welches nicht verpflichtend ist, sollen die Schüler dann Praktika machen und allgemein eher Praxiserfahrungen sammeln. Wie mir von meinen Klassenkameraden versichert wird, ist es eigentlich nur ein Jahr voll mit Spaß und nicht wirklich viel Schule. In den letzten zwei Jahren bereiten sich die Iren dann auf das Leaving Cert vor, eine Prüfung, die mit dem Abitur vergleichbar ist. Auch diese Prüfung ist in ganz Irland einheitlich. Zustände also, wie man sie sich in Deutschland nur wünschen kann.
Ich bin also aktuell im 5th year des Senior Cycles.

Das Schuljahr ist in Irland in drei Trimester eingeteilt. Das Herbstrimester (Autumn Term) beginnt Anfang September und endet kurz vor Weihnachten. Nach den Weihnachtsferien folgt der Spring Term von Anfang Januar bis Ostern (mit einer Woche Winterferien) und dann der abschließende Summer Term von Ostern bis Ende Juni. Zeugnisse gibt es am Ende jedes Trimesters und davor Parent-Teacher meetings. Jeder Lehrer trifft die Eltern um über den Schüler zu berichten, was ich eigentlich ganz gut finde, da so individuell nochmal auf Schwachpunkte verwiesen werden kann. Die Notenskala in Irland geht von A bis F, wobei A die beste Note ist. Außerdem wird noch in Higher oder Ordinary Level unterteilt. Ich belege im Moment überall Higher-Level Kurse.

Mein Tag beginnt um 9.15 Uhr und endet zwischen 15.40 und 15.50 Uhr. Samstag ist schulfrei, allerdings gibt es in der Woche noch ein Evening Study Angebot, wo man unter Aufsicht seine Aufgaben erledigen kann. Eine Unterrichtsstunde ist 35 Minuten lang, also etwas kürzer als in Deutschland, dazwischen liegen fünfminütige Pausen und dann zwei größere Essenspausen. Kantinen sind in irischen Schulen nicht immer anzutreffen aber ich habe das Glück eine zu haben, man bekommt wirklich preisgünstig gutes Essen.
Der Unterricht ist in Pflicht- und Wahlkurse unterteilt. Um das mal auf mich zu beziehen: ich musste Englisch, Mathe, Irisch (wo ich Hausaufgaben machen darf) und eine Fremdsprache (in meinem Fall Deutsch, da an meiner Schule nur noch Französisch angeboten wird und ich daheim ja Russisch lerne) wählen, außerdem habe ich noch Religion, Sport, LCVP und Career Gardiance (beides ist eher berufsvorbereitend). Zu meiner Freude gibt es im irischen Sportunterricht übrigens keine Noten. Abschließend konnte ich noch drei weitere Fächer wählen. Ich habe also noch Business, Musik und Biologie belegt, womit ich auch sehr zufrieden bin. Speziell Business macht mir sehr viel Spaß.

Die Fächer werden jeden Tag unterrichtet und enthalten sehr viel Frontalunterricht, eine Sache, die ich in dieser ausgeprägten Form aus Deutschland noch nicht kannte.

Viele Schulen haben dann aber auch noch Aktivitäten außerhalb des Lehrplanes, wie beispielsweise Sport-AG´s, Chor, Theater und Debattieren. Meine Gastschwester spielt zum Beispiel Basketball und ich habe es zu meiner Freude als erste Ersatzfrau in das Debattierteam geschafft, eine Sache die mich und gleichermaßen die Lehrerin erstaunt hat. Auch die zweite Ersatzfrau ist eine Austauschschülerin aus Deutschland.

Schön finde ich, dass irische Schulen viel Wert auf Betreuung legen. So haben wir zum Beispiel ein Big Sister-Little Sister System an der Schule, was bedeutet, dass sich große Schülerinnen um kleine kümmern und ihnen auch für Fragen zur Seite stehen. Außerdem haben wir auch einen Schulseelsorger (er ist zwar Priester, aber das ist hier normal).
Zu den Lehrern hat man hier ein freundliches Verhältnis, auch wenn es etwas formeller als "daheim" ist. Frauen sind auch hier in der Lehrerschaft in der Überzahl, obwohl ich gehört habe, dass es an der Jungenschule wohl das genau umgedrehte Verhältnis ist.

Ich habe jetzt glücklicherweise erst einmal eine Woche Ferien, in der ich einige Exkursionen vorhabe. Es gibt also nächste Woche einen Bericht mit mehr Bildern.

Sollten noch Fragen zum  irischen Bildungssystem offen geblieben sein, bin ich natürlich gerne zu Auskünften bereit.

Mittwoch, 3. Oktober 2012


Heute habe ich mich einmal damit beschäftigt, warum ich mich in Irland so wohl fühle und deswegen gibt es nun die 40 Gründe warum Irland einfach nur wunderbar ist:

1.Weil es in Irland viele zu entdecken gibt. Nicht jedes wundervolle Gebiet ist von Freizeitvergnügung Suchenden erschlossen, nicht jeder Stein wurde schon dreimal umgedreht.

2. Weil nirgendwo anders ein Sieg oder eine Niederlage im Sport so schön, so emotional ist. Sie finden immer etwas Gutes daran.

3. Weil die Iren meistens sehr nette Leute sind: Sie sind freundlich, offenherzig, redegewandt,  schalkhaft, manchmal unaufrichtig, stur, feier-freudig  unkompliziert und manchmal etwas verkorkst aber immer auf ihre eigene Art liebenswert und interessant.

4. Weil es nirgendwo einen interessanteren Himmel gibt, Wolkenbilder und wie man sie nirgendwo anders findet.


5. Weil das Wetter sehr beachtenswert ist:  Nirgendwo sonst kann auf der einen Seite des Hauses die Sonne scheinen und auf der Anderen Regen fallen.

6. Weil es in Irland einen ausgewogenen Tourismus  gibt, vielleicht auch wegen dem Wetter.




7. Weil es kein Volk gibt, das so schön Geschichten und Anekdoten erzählen kann und ins Alltagsgespräch einbindet.

8. Weil einem Iren das Gefühl geben immer Willkommen zu sein.

9. Weil man in keinem anderen Land so oft Gespräche mit Fremden anfängt und dabei erstaunliche Gesprächspartner findet.

10. Weil die Landschaft  unendlich weit zu sein scheint. Hier im Westen gibt es scheinbar keine Grenzen alles ist weit und hügelig und vermittelt einem ein unglaubliches Gefühl von Freiheit.

11. Weil die Natur hier die Zivilisation zu überleben scheint. Die Berge und Hügel, die Wiesen und Wälder  alles ist zum Teil scheinbar so unberührt das man denkt man sei der erste Mensch seit Jahrhunderten der seinen Weg dorthin findet.


12. Weil die Stille hier noch präsent ist. Manchmal kann man sie sogar hören, die Abwesenheit des Lärms der Zivilisation.

13. Weil die Iren die beste Luft Europas haben, die jederzeit frisch vom Atlantik geliefert wird.

14. Weil der Staat hier manchmal weiter weg ist als anderswo, Einzelpersonen haben mehr Spielraum, mehr Freiheiten aber auch mehr Eigenverantwortung.

15. Weil die Iren manchmal wunderbar unorganisiert sind und das dann auch noch ganz locker sehen.

16. Weil die Uhren in Irland anders ticken, hier kommt man nicht zu spät, der  Andere war einfach nur zu früh und er weiß das auch.

17. Weil in Irland eine Parallelwelt möglich scheint. Das Irland der Gegenwart ist sehr modern mit allen nur zu wünschenden Annehmlichkeiten. Aber auch das alte Irland, das in den Büchern beschworen wurde hat hier seinen Platz, in den Geschichten, den Liedern,  in Gebäuden, in Nischen und in den Erlebnissen und Erinnerungen von Menschen.

18. Weil Abschied und Tod hier noch ein geachteter Teil des Lebens sind und in Ehren gehalten werden.

19. Weil auch heute Großfamilien noch geachtet werden und nicht als asozial oder belastend empfunden 
werden. Hier erlebe ich wie wundervoll eine so große Familie sein kann und wie sie von Liebe und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

20. Weil man auf dem irischen Land das Auto nicht abzuschließen braucht, wenn man es geparkt hat.

21. Weil man ganz plötzlich Freunde in seiner eigenen Küche finden kann, die spontan mal auf einen kurzen Chat vorbeigekommen sind, durch die unverschlossene Hintertür.

22. Weil es einen ganzen Haufen niedlicher und wohlerzogener kleiner Kinder hier gibt.

23. Weil die Iren herrlich unkompliziert sind.  Wenn ein Freund der Familie mit seinem kleinen Sohn vorbeikommt und dann mit dem „Mann des Hauses“ noch was trinken geht kann der Kleine natürlich dableiben und wenn es dann doch mal  länger wird kann er natürlich auch da Schlafen und das ohne, dass große Telefonate oder der Gleichen geführt werden müssen.

24. Weil die Iren eine Nation der Teetrinker sind. Statistisch gesehen haben sie den zweit höchsten Teeverbrauch weltweit nur die Iraker trinken mehr. Eine schnell aufgebrühte Tasse schwarzen Tees hilft gegen alles.

25. Weil das irische Englisch sehr fließend klingt und das in der Schule gelernte „th“ hier nicht wirklich zur Anwendung kommt.

26. Weil die Iren den Linksverkehr haben, was für einen nicht Iren ein wundervolles Verwechslungspiel beinhaltet und den Versuch einschließt auf der „falschen“ Seite des Autos einsteigen zu wollen.

27. Weil die Iren seit 2009 den nicht-staatlichen Arthur´s day haben. Benannt nach? Arthur Guiness natürlich. Am 27. September um exakt 17.59 Uhr sollte jeder Guinesstrinker sein Glas gehn Himmel recken als Gruß. Außerdem gibt es an diesem Tag ein paar ausgezeichnete Konzerte.

28. Weil die Iren von einem großen Haufen berühmter Menschen behaupten, sie hätten irische Vorfahren, natürlich  vollkommen zu recht.  So zum Beispiel auch von Che Guevara,  Muhammad Ali aber auch John F. Kennedy hatte irische Vorfahren und der ehemalige israelische Präsident Chaim Herzog wurde sogar in Irland geboren und  zum amerikanischen Präsidenten Barack Obama können die Iren auch Verbindungen nachweisen.

29. Weil die Iren Gaelic Football haben und als Teilzeit-Ire muss ich fragen was gibt es besseres?

30. Weil die Iren nach dem 2. Weltkrieg die erste Ausstattung der deutschen Fußballnationalmannschaft gesponsert haben.

31. Weil die Iren die schönsten Fangesänge haben, niemand ist mit so viel Herzblut Fan.

32. Weil es in den irischen Küstengewässern Wale und Delphine gibt.

33. weil Irland mit Dublin eine wunderschöne und geschichtsträchtige Hauptstadt hat.

34. weil viele Haushalte mit Torf heizen  und mal ganz ehrlich was gibt es besseres als einen Kamin im Esszimmer? Richtig noch einen im Wohnbereich.

35. Weil viele gute Filme zum Teil in Irland gedreht wurden so zum Beispiel Braveheart  oder Excalibur.

36. Weil Irland einen ganzen Haufen herausragender Schriftsteller hat, wie James Joyce (Ulysses) , Bram Storker (Dracula),  Jonathan Swift ( Gullivers Reisen), Oscar Wilde (Das Bildnis des Dorian Grey), Samuel Beckett(Molloy) aber auch moderne Schriftsteller wie Cecelia Ahern ( P.S. ich liebe dich) und Maeve Binchy ( Jeden Freitagabend) und….und..

37.  Weil die Iren auch gute Musik machen sowohl im Folk als auch im Rock und Pop Bereich. Beweise dafür sind My Bloody Valentine, U2,  Van Morrison, the Boomtown Rats, Sinead O´Connor und Gary Moore.

38. Weil die Iren tatsächlich “Agriculture and Farming“ als Unterrichtsfach belegen können und, weil es in der irischen Schule keine Noten im Sportunterricht gibt.

39. Weil die Iren am 17.März den St. Patrick´s Day begehen und die Welt noch grüner zu sein scheint.

40. Weil man in der irischen Landschaft scheinbar unendlich viele Grüntöne entdecken kann.

Montag, 24. September 2012

Über das Ende der Hoffnung und neue unbekannte teils dunkle Vorlieben

The match is over, we haven´t won. Traurig aber wahr, wieder wurden die Hoffnungen meines wundervollen Countys enttäuscht. Aber gut gespielt haben unsere Jungs trotzdem, wenn sie nur in der ersten Hälfte mehr rangegangen wären, dann...vielleicht aber wir wollen ja nicht über Dinge nachdenken, die nicht so waren. Also, fair gewonnen Donegal, Congretulations!

Der Tag danach war dann leider nur ein ganz " normaler"  Schultag, wenn man mal davon absieht, dass ein Viertel meines Jahrganges gefehlt hat und das obwohl wir verloren haben. Eine Klassenkameradin startete einen Erklärungsversuch; Iren finden doch immer einen Grund um in den Pub zugehen.

Somit haben wir also auch dieses Kapitel abgehakt. Das  nächste große Datum ist dann der 12.10.2012, denn dann spielt, Trommelwirbel Deutschland gegen Irland. Und was? Natürlich Fußball und zwar die Qualifikationsrunde für die WM 2014.Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt und mein Gastvater auch. Dann wird es wohl so etwas wie ein Deutsch-Irisches Fanbattle geben. Die Bilanz schlägt sich klar für Deutschland aus. In insgesamt 16 Spielen( seit 1935) hat Deutschland 7-mal gewonnen und 4-mal unentschieden gespielt. Wobei man sagen muss, dass das letzte Zusammentreffen ein unentschieden war. Fußballtechnisch rechne ich Deutschland größere Chancen zu aber die Iren haben definitiv die besseren Fanchöre.

Hier in Irland habe ich auch eine interessante neue dunkle Leidenschaft entdeckt: schwarzer Tee! Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich dieses Getränk lieb gewonnen habe. Mit Milch und Zucker am Morgen, am Vormittag, nach dem Mittag, zum Lesen, nach dem Abendbrot und nochmal 2 Tassen am Abend. Es ist wie im 7. Himmel und ein Allheilmittel. Wenn du Sorgen hast, aufgewühlt bist, müde, munter oder glücklich, trink eine Tasse Tee und alles wird noch schöner. Das ist auch der Grund warum ich den Namen dieses Blogs geändert habe, es redet sich so gut zu einer Tasse Tee. Außerdem hatte ich gewissermaßen gar keine andere Wahl als zum Teetrinker zu werden, die Iren verstehen unter Kaffee nämlich, löslichen. Bääh, ich möchte kein weiteres Kommentar zum Geschmack abgeben. Und da ich jetzt also nur noch sehr, sehr selten eine Tasse richtigen Kaffee bekomme, was ein ziemlich großer Brocken für mich war, was jeder verstehen kann der mich näher kennt. Aber ich hab ja jetzt Tee und das ist eine ziemlich gute neue Obsession.
black-tea-milk-sugar
http://www.octaviatea.com/pages/Tea-Guide-Page-Three.html

Eine neue mir zuvor unbekannte Leidenschaft ist das Schreiben von Karten. Angefangen hat alles mit einer Geburtstagskarte und dann sind mir immer mehr Menschen eingefallen, denen ich gerne liebe Grüße senden wollte. Und das aussuchen der Karten macht einen riesengroßen Spaß. In dem kleinen Buchladen in der Stadt gibt es zwar wenige umwerfende Bücher aber viele umwerfende Karten mit Gemälden, Fotografien und Sprüchen. Die letzten Karten habe ich Samstag in den Briefkasten geworfen, mal sehen wer beim nächsten Mal eine bekommt.





Mittwoch, 19. September 2012

Wann überquere ich eine Straße, Rauchverbot, Höflichkeitsregeln und THE FINAL...

Wann überquere ich in Irland eine Straße?
Wenn die Ampel für mich grün ist oder kein Auto zu sehen ist vielleicht?
Definitiv falsche Antwort, denn damit outet man sich sofort als Ausländer.  Ein ordentlich integriertes Mitglied der irischen Gesellschaft überquert die Straße in 99 % der Fälle schon mal nicht an der Ampel, denn wenn man auf die Fußgänger-Grün-Phase wartet, kann man schnell schon mal eingeschlafen sein, denn das kann dauern. Außerdem sind die Straßen außerhalb der Rushhour etc. nicht so stark befahren.
Und im Allgemeinen kann man ja ganz gut abschätzen, wann die Autos zu Nahe sind. (Für Iren heißt das weniger als 20 m)  Und wenn einem ein Auto dann doch einmal zu nahe kommt, kann man ja immer noch nett Grüßen, dann wird der Andere schon nicht zu sauer sein. Ich versuche mich gerade an diese Regeln zu gewöhnen, mittlerweile schaue ich auch immer in die richtige Richtung (Linksverkehr) und Ampeln ignoriere ich auch schon ganz gut. Ich mag es aber auf die Fußgängertaste zu drücken, die leuchtet dann manchmal so schön...

Rauchverbot in Irland auch so eine interessante "Richtlinie". De facto gibt es seit 2004 ein Rauchverbot in irischen Pubs usw., allerdings würde ich sagen diese "Richtlinie" ist manchmal dehnbar. Ich habe durchaus schon Menschen im Pub rauchen sehen ( ich hab es am nächsten Tag auch an meiner Kleidung gerochen...)Es ist nicht übermäßig viel aber es kommt häufiger vor als in Deutschland. Allerdings hab ich mir sagen lassen, das Zigaretten ziemlich teuer sind, bei 8 Euro pro Schachtel etwa, ein ziemlich teures Vergnügen also.


Es scheint in Irland höflich zu sein lieber 5 Minuten zu spät als zu früh zukommen. Anscheinend ist  die Redewendung "fashionably late" (auf Deutsch etwa: "etwas zu spät ist modern") von den Iren erfunden wurden. Schon etwas schwierig, für einen Menschen der an die deutsche Pünktlichkeit gewöhnt ist.
Glücklicherweise begrüßen sich die Iren ehr mit einem Handschlag oder einer kurzen Umarmung als mit Küsschen, ein Grund mehr dieses wundervolle Völkchen sympathisch zu finden. Iren reden im Allgemeinen gerne über alles Mögliche und erzählen kleinere Anekdoten, wobei sie gerne auch mal vom Thema abkommen und dann anfangen über andere Sachen zu reden, mmh Anekdote kommt übrigens aus dem Griechischen und ist wird schon seit dem 6. Jahrhundert verwendet, da war ja auch das Ende der Völkerwanderung in Sicht, ich geh auch gerne wandern, letztes Jahr war ich in Südtirol, echt toll but anyway und dann wird sich wieder gesammelt und es geht mit der Story weiter.  Eine wundervolle Angewohnheit die die Iren meist gar nicht bewusst wahrnehmen und die ich auch schon anfange zu übernehmen. Im Allgemeinen haben die Iren einen gewissen Sinn für Humor und machen sich auch gerne im Spaß über Gesprächspartner lustig, es ist besser schnell redegewannt zu werden, wenn man mithalten will.

Das aktuelle Hauptthema ist THE FINAL am Sonntag. Das Gaelic Football Finale in dem sich Mayo (meine Region) und Donegal gegenüberstehen, gespielt wird in Croke Park, Dublin.
Einige Fakten zu diesem Finale:
- Das ist das 1. Mal seit 1992 das Donegal wieder in einem All Ireland Final steht, Mayo war zuletzt 2006 im Finale zu sehen.
- Das letzte Mal das Mayo das Finale gewonnen hat war allerdings 1951(!)
-Es ist das 1. Finale seit 1948 in dem die Provinzen Connacht und Ulster gegeneinander spielen.

 Hier gibt es somit im Moment nur dieses Thema, denn jeder will das Mayo gewinnt, ich natürlich auch, da ich aber zu neu in dieser Sportart bin ist das nur eine Hoffnung, keine Spielvorhersage. Es geht allerdings das Gerücht um, wir würden Schulfrei bekommen, wenn Mayo gewinnt. Die Schule ist schon seit Dienstag in rot-grün (Mayos Farben) geschmückt und am Freitag werden wir den Mayosong in English durchnehmen. Außerdem ist so ziemlich jedes Geschäft geschmückt und überall hängen große Banner, die Iren gehen davon aus das der Glaube Berge versetzt und Teams gewinnen lässt. Apropo Glaube in der Kirche hat der Priester am Ende jeder Messe an das Match erinnert und das nun schon zum 2. Mal. Ich gehe fest davon aus, dass er das Match am Sonntagmorgen noch einmal in seine Gebete einschließen wird und was soll dann noch schiefgehen können? Kirche ein weiteres interessantes Thema über  das ich aber ein anderes Mal genauer berichten werde, anyway ich weiß auf jeden Fall wo mein Platz am Sonntag sein wird. Irgendwo vor dem Fernseher beim mit fiebern in ordnungsgemäßer Fanausrüstung.

Ich würde mich auch sehr darüber freuen, wenn ihr einen Post hinterlassen würdet, denn ich wäre wirklich einmal interessiert daran, wer meinen Blog so liest, die Anzahl der Klicks sind ja wirklich umwerfend! Danke! Anmerkungen und Wünsche sind dann natürlich auch Willkommen.



GAA Mayo Flag Tattoo
Quelle:http://www.sportsink.ie/products/457/69/GAA-Mayo-Flag-Tattoo.html